Wörishofer Segelflieger gehen wieder in die Luft

von Manfred Schwarz

Segelflugverein nimmt nach Winterpause den Segelflugbetrieb wieder auf

Die für Segelflugpiloten harte Winterzeit ist vorbei, alle Segelflugzeuge wurden im Winterhalbjahr auseinandergebaut, gereinigt, inspiziert, gewartet und, wenn erforderlich, repariert. Zusätzlich ist die Software in den elektronischen Geräten durch ein aktuelles Update auf den neuesten Stand gebracht worden. Nach einer ausführlichen Abschlusskontrolle durch den Werkstattleiter stehen die Segelflugzeuge für einen ersten Start durch die aktiven Vereinsmitglieder zur Verfügung. Es ist schon immer etwas Besonderes, wenn der frisch gewachste weiße Vogel im noch jungen grünen Gras steht und die Haube noch ohne Fingerabdrücke einen ungetrübten Blick in die herrliche Natur zulässt: ein Anblick, bei dem jedem Piloten das Fliegerherz aufgeht. Die ersten Haufenwolken stehen am Himmel, die Graspiste ist frisch gewalzt und schon geht’s los. Einige Flugschüler haben die ersten Windenstarts absolviert, die Scheininhaber ihre Checkflüge mit dem Fluglehrer gemacht, d.h. alles ist bestens vorbereitet für die Tage, an denen die Luftmassen wieder mit drei bis vier Metern pro Sekunde gen Himmel steigen und sich dann am blauen Himmel als weiße Wolke ausbreiten. Die erfahrenen Piloten im Verein haben erste Flüge Richtung Süden bis zur italienischen Grenze gewagt. Zu dieser Jahreszeit sind solche Überlandflüge in die Alpen eine echte Herausforderung, da durch die schneebedeckten Berge noch nicht überall Thermik herrscht. Im Vordergrund steht natürlich der Spaß am lautlosen Fliegen am Platz, in der Umgebung oder in den Bergen, wo die optischen Eindrücke atemberaubend sein können. Für dieses grandiose Erlebnis sind viele bereit, auch mal das ganze Wochenende dem fliegerischen Vergnügen zu widmen.

Jahreshauptversammlung des Segelflugvereins Bad Wörishofen e.V.

von Manfred Schwarz

Ein Verein im Aufwind

Robert Schröder Jürgen Strüwing 2. Vorsitzender

Nach einer kurzen Zeit der Flaute, befindet sich der Segelflugverein wieder im Aufwind. Dem neuen Vorstand mit Robert Schröder als ersten Vorsitzenden ist es gelungen, mit behutsamen Schritten und kleinen Korrekturen das Vereinsklima im ersten Jahr seiner Amtszeit wesentlich zu verbessern. Das hatte zur Folge, dass sich Vereinsmitglieder, die sich in den letzten Jahren passiv gemeldet hatten, erneut aktiv geworden sind und nun wie früher engagiert am Flugbetrieb teilnehmen. „Es macht wieder richtig Spaß, auf den Segelflugplatz zu kommen“, so eine spontane Äußerung eines Rückkehrers.
Beim Vorstand bleibt alles beim Alten, Neuwahlen stehen erst 2019 wieder auf der Tagesordnung. Bereits im Sommer letzten Jahres war zu spüren, dass die Zurückhaltung der Vereinsmitglieder weicht und die positive Stimmung wieder zum Standard des Vereins gehört. In seinem Jahresrückblick hat der erste Vorsitzende diese Veränderung ausführlich gewürdigt. Am Beispiel einzelner Vereinsmitglieder hat er noch einmal deutlich gemacht, wie wichtig es ist, dass so viele bereit sind, ehrenamtliche Aufgaben zu übernehmen und diese engagiert und gewissenhaft auszuführen. Das Vereinsleben funktioniert wieder, die Stimmung ist sehr gut.
Dem Kassierer Oliver Meindl wurde durch zwei Kassenprüfer zudem eine vorbildliche Kassenführung bescheinigt. Den Vereinsmitgliedern wurde daraufhin die Entlastung empfohlen. Die Vereinsfinanzen sind in einem soliden Zustand.
Nach der Entlastung der Vorstandschaft durch die Vereinsmitglieder hat Schröder einen Blick in die Zukunft gewagt. So ist geplant, den Flugzeugpark durch Zukauf eines leistungsfähigen Doppelsitzers zu erweitern. Auch fliegerisch will man unbedingt wieder erstklassig werden. So ist der Aufstieg in die erste Bundesliga dieses oder nächstes Jahr fest eingeplant. Förderprogramme sollen jungen Scheininhabern helfen, bei Streckenflügen über mehrere hundert Kilometer besser und schneller zurechtzukommen. Erfahrungen zum Überlandfliegen gibt es im Verein genug. Auch sonst kann sich die Bilanz für 2016 sehen lassen. Mit 99 Mitgliedern hat der Verein eine solide Basis. Die 40 Aktiven sorgen für den Flugbetrieb auf dem Segelfluggelände nördlich des Industriegebiets. Erfreulich ist auch der Zuwachs an neuen Flugschülern, so hat sich in 2016 die Zahl der Flugschüler um vier auf dreizehn erhöht. Anfang 2017 haben sich bereits zwei Jugendliche für die Segelflugausbildung neu angemeldet. Der Segelflugverein Bad Wörishofen e.V. wurde wegen seiner hervorragenden Jugendarbeit und größtem Jugendzuwachs unter bayerischen Segelflugvereinen in Hirschaid mit dem Peschke Jugendpreis geehrt. Insgesamt wurden 1400 Windenstarts gemacht, davon 600 Schulstarts. Um den an der Segelfliegerei Interessierten den Einstieg in dieses naturverbundene Hobby zu erleichtern, hat der Verein Schnupperangebote geschaffen: für Erwachsene 150,- €, für Schüler 75,- €.
In der dreimonatigen Schnupperzeit kann man sich in Ruhe überlegen, ob der Verein und das Hobby zu einem passen. Sogenannte Karteileichen, die nur für die Statistik gut sind, helfen einem Segelflugverein nicht viel.
Auch gab es Erfolge, die in der Segelflugszene über die Region und Bayern hinaus Gehör fanden. Robert Schröder belegte bei der Segelflug WM in Litauen den fünften Platz in der Standardklasse. Einen überragenden Erfolg erreichten die Junioren des Segelflugverein Bad Wörishofen bei der deutschen Meisterschaft der Junioren in Marpingen/Saarland. Kilian Biechele landete auf Platz zwei (Deutscher Vizemeister) und sein Vereinskamerad Simon Schröder belegte Platz eins und ist damit Deutscher Juniorenmeister. Auch dieses Jahr richtet sich der Blick auf interessante Meisterschaften, die man natürlich gewinnen möchte.

Erfahrungen bei einer Weltmeisterschaft

von Manfred Schwarz

Robert Schröder berichtet den Vereinsmitgliedern von seiner Teilnahme an der Segelflug - WM im Litauischen Pociunai

Nach einem zünftigen Weißwurstessen im Clubheim der Bad Wörishofer Segelflieger berichtete Robert Schröder von seiner Teilnahme an der Segelflug Weltmeisterschaft in Pociunai in Litauen. Im August 2016 belegte er in der Standardklasse nach zwei Wertungstagen Platz eins. Über den langen Weg an die Spitze sprach er am Faschingssamstag.Es bedarf schon einigem Durchhaltevermögen, bis man es als Segelflugpilot in den deutschen WM-Kader geschafft hat. Aber erst mal der Reihe nach. Um in das Team Germany, also die Nationalmannschaft, berufen zu werden, muss man bereits bei den deutschen Meisterschaften ganz vorne mitfliegen. Die Hürden der Qualifikationswettbewerbe hat Robert natürlich schon vor vielen Jahren gemeistert. Trotzdem konnte man deutlich heraushören: Es ist ein langer und mühseliger Weg. Nur wer alle wichtigen Vergleichsfliegen erfolgreich absolviert hat, hat die Chance, irgendwann mal auf dem Treppchen zu stehen. Nur wer die nötige Disziplin, die Zeit und die finanziellen Mittel aufbringen kann und dann noch das fliegerische Händchen hat, nur für den macht es Sinn, an die Teilnahme einer WM zu denken, denn der Segelflugsport wird in Deutschland nicht durch den Staat gefördert. Bis auf die Startgebühr, die der Verband für die WM übernimmt, bleiben alle anderen Kosten beim WM-Teilnehmer hängen. Warum sich all die Mühen und Kosten aber dennoch lohnen? Es ist das unvergessliche Erlebnis der Flüge und die Erfahrung, bei einer Segelflug - WM innerhalb des deutschen Kaders dabei sein zu dürfen.

Segelfliegen mit viel Herzblut

Im Wettbewerb beginnt der Tag schon früh, um das Segelflugzeug für den Wettbewerbsflug vorzubereiten. Accu's einbauen, Wasserballast tanken, Flugzeug wiegen und zum Startplatz bringen dauert schnell mal 2 Stunden. Danach kommt noch der offizielle Teil, d.h. Briefing mit Wetterbericht und Streckenvorgaben, Absprache innerhalb der deutschen Mannschaft, mit dem Meteorologen und mit dem Teamkollegen, der in der gleichen Klasse fliegt. Beratung über taktisches vorgehen, Detailabstimmung und dann ist es so weit: „Seil straff“ und los geht’s. Eine Motormaschine bringt das Segelflugzeug in die Luft. Vor der 10 km breiten Startlinie wird es immer enger. Alle Maschinen sind in der Luft, jeder Pilot versucht eine optimale Ausgangsposition für den Abflug zu erreichen. Zwanzig Minuten nachdem das letzte Segelflugzeug in den Abflugkorridor geschleppt wurde, wird die Startlinie freigegeben. Mit dem Überfliegen der Startlinie beginnt die Zeit zu laufen. Vorher wird natürlich noch mächtig gepokert, sofort abfliegen oder erst noch abwarten? Wer hinter der Startlinie ist, für den gibt es kein Zurück mehr. Hat der Erste gutes Steigen, oder quält er sich mit einem Nullschieber herum? Wie könnte sich die Thermik im Streckengebiet entwickeln, Blauthermik oder doch Cumulanten? Das überraschende bei WM - Wettbewerbsflügen ist die bei einer WM im Grunde fast konservativ und nicht progressive Vorgehensweise. Das Vorfliegen bis auf 300 m oder 400 m über Grund birgt das Risiko einer Außenlandung und das ist bei einer WM ein K.O.- Kriterium. Vordere Plätze sind dann nicht mehr zu schaffen. Hat man die Startlinie erst einmal überflogen, spielt Taktik nicht mehr die ganz große Rolle, dann ist fliegerisches Können und sehr viel Erfahrung wichtig. Erfahrung, die man in Hunderten Streckenflügen, in Dutzenden Wettbewerben gesammelt hat. Und doch passiert es, dass in speziellen Konstellationen die Erfahrung nicht die Lösung aufzeigt, weil dynamische Prozesse nicht überall in der Troposphäre gleich ablaufen. Das macht sicher auch den Reiz der Segelfliegerei aus, sich immer auf neue Herausforderungen einstellen zu müssen.
Am ersten Wendepunkt angekommen, ist es nicht mehr erforderlich, den Wendepunkt, wie früher, zu fotografieren. Wendepunkte sind heute kreisförmige Sektoren mit einem Radius von 500 m. Sobald der Zylinder angeschnitten wurde und ein Loggerpunkt des Flugschreibers den Nachweis bringt, dass man innerhalb des Sektors war, geht’s weiter zum nächsten Streckenabschnitt. Sind alle Streckenabschnitte geschafft, sollte man nach Roberts Erfahrung versuchen, spätestens um 17:00 bis 17:30 Uhr den Endanflug zu starten, weil die Thermik dann langsam schwächer wird. Der Zielkreis muss in mindestens 200 m über Grund überflogen werden und dann, wenn man schnell genug war, kann es sein, dass man den Tag gewinnt und 1000 Punkte abräumt. Die Höchstpunktzahl an einem Wertungstag. Spätestens 30 Minuten nach der Landung muss der Flug zur Auswertung hochgeladen sein. Jetzt noch das Flugzeug für die Nacht vorbereiten und hoffen, dass keiner der anderen Teilnehmer besser war. Und am nächsten Tag beginnt das Spiel wieder von vorne. Eine Segelflug WM dauert zwei Wochen und am Ende wird zusammengezählt: Wer die meisten Punkte hat, gewinnt. Eigentlich ganz einfach.